Standard und konkretes Angebot unterscheiden
IATA beschreibt NDC als Standard für den Datenaustausch im Flugvertrieb, der die Darstellung und Übermittlung von Angeboten unterstützt. Aus dem Standardnamen allein lässt sich jedoch nicht ablesen, welche Funktionen eine bestimmte Anbindung im Reisebüro tatsächlich bereitstellt. Entscheidend sind die beteiligten Fluggesellschaften, der technische Zugang und die vereinbarten Leistungen des Partners. Beginnen Sie deshalb mit einem konkreten Einsatzfall: Welche Kunden, Strecken oder Produkte sollen über den neuen Zugang bedient werden? Ohne diese Eingrenzung wird der Vergleich schnell zu einer langen Funktionsliste, deren Bedeutung für das eigene Geschäft unklar bleibt.
Den Verkauf als vollständigen Vorgang testen
Lassen Sie sich in einer geeigneten Testumgebung oder anhand dokumentierter Beispielszenarien zeigen, wie ein Angebot gesucht, verglichen, gebucht und bestätigt wird. Verwenden Sie dabei einen gewöhnlichen Fall aus Ihrem Beratungsalltag. Prüfen Sie, ob Gepäck, Sitzplätze und Tarifbedingungen verständlich dargestellt werden und ob sich der Endpreis nachvollziehbar zusammensetzt. Ein Verkaufstest sollte außerdem zeigen, welche Angaben in die internen Systeme gelangen und welche manuell ergänzt werden müssen. Testen Sie ohne unnötige echte Kundendaten. Ziel ist ein reproduzierbarer Ablauf, den später mehrere Mitarbeitende gleich sicher ausführen können.
Nach dem Abschluss beginnt der zweite Test
Gehen Sie anschließend die Vorgänge durch, die nach einer Buchung entstehen: Terminänderung, Stornierung, Erstattung, zusätzliche Leistung und Änderung durch die Fluggesellschaft. Fragen Sie für jeden Fall nach dem möglichen Bearbeitungsweg, den Zuständigkeiten und den tatsächlich verfügbaren Funktionen. Halten Sie fest, wann ein Vorgang im eigenen System erledigt werden kann und wann ein anderer Kanal nötig ist. Lassen Sie sich auch zeigen, wie ein offener Bearbeitungsstatus sichtbar bleibt. Ein schneller Verkauf verliert im Alltag an Wert, wenn die Betreuung danach viele nicht dokumentierte Einzelschritte und schwer erreichbare Ansprechpartner erfordert.
Aufwand und Verantwortlichkeit zusammen betrachten
Erstellen Sie für den vorgesehenen Einsatz eine einfache Prozessübersicht. Neben Lizenz- oder Transaktionskosten gehören Schulung, manuelle Nacharbeit und Erreichbarkeit des Supports hinein. Erfassen Sie die Punkte als betriebliche Annahmen und überprüfen Sie sie im Pilotbetrieb. Legen Sie intern fest, wer bei Störungen entscheidet und welcher Informationsweg zum Kunden vorgesehen ist. Gerade außerhalb üblicher Bürozeiten muss klar sein, welche Unterstützung tatsächlich vereinbart wurde. Die Anbindung sollte außerdem in die vorhandenen Abläufe für Dokumentation und Vertretung passen. Eine Lösung, die nur eine einzelne besonders erfahrene Person beherrscht, bleibt im Tagesgeschäft anfällig.
Mit einem begrenzten Pilot starten
Wählen Sie zunächst wenige passende Anwendungsfälle und definieren Sie vorab, woran Sie die Praxistauglichkeit erkennen. Sinnvolle Beobachtungen sind Bearbeitungszeit, Zahl manueller Schritte, Klarheit der Tarifinformation und Lösbarkeit von Änderungen. Dokumentieren Sie auftretende Probleme mit dem jeweiligen Vorgang, ohne daraus sofort ein allgemeines Urteil über den Standard abzuleiten. Besprechen Sie die Ergebnisse mit dem Anbieter und entscheiden Sie danach über eine Ausweitung. NDC sollte im Reisebüro anhand der konkreten Vertriebslösung bewertet werden. Der wichtigste Test ist nicht die beeindruckendste Vorführung, sondern ein gewöhnlicher Kundenfall, der vom ersten Angebot bis zur abgeschlossenen Nachbearbeitung zuverlässig funktioniert.
Zum Nachlesen
Quellen & Stand
Die folgenden Originalquellen ermöglichen die Einordnung und weitere Prüfung. Angebote, Zugänge und Regeln können sich ändern. Maßgeblich sind die Angaben des jeweiligen Anbieters zum Reisezeitpunkt.
- IATA: New Distribution Capability ↗Geprüft am 7. November 2026
- IATA: NDC für Verkäufer und Vertriebspartner ↗Geprüft am 7. November 2026
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